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Wechselbad der Gefühle in Wetzlar bei den Deutschen U23-Meisterschaften

Erstellt von Jan Keil | |   Info

Am Wochenende (13./14.06.2015) fanden zeitgleich die Deutschen Meisterschaften der U23 (Wetzlar) und die Deutschen Meistershaften im 10.000 Meter Bahngehen (Düsseldorf) statt.

Die Deutschen U23-Meisterschaften der Leichtathleten in Wetzlar waren aus Sicht der LG NORD Athleten durch ein stetiges Auf und Ab gekennzeichnet.
Das lag aber nicht am Wetter, das mit Ausnahme von etwas zu viel Gegenwind am ersten Tag stabil freundlich, sommerlich und leistungsförderlich war.
Es waren die Athleten, die mit ihren Leistungen abwechselnd Anlass zu Freudentränen oder Tränen der Enttäuschung gaben.
Wetzlar war die letzte Möglichkeit für die fünf (Marc Koch, Marcel Matthäs, Stephan Hartmann, Jossie Graumann und Vanessa Pfeifer) die vor zwei Jahren bei der U20 Europameisterschaft in Rieti/ITA dabei waren, wieder ein internationales Startticket für die U23 Europameisterschaften im Juli in Tallinn/EST zu ergattern.

Marc Koch löste seine Vorlaufaufgabe über 400m als Sieger mit der insgesamt zweitbesten Vorlaufzeit von 47,29s trotz Gegenwind souverän. Gehemmt durch Beugerprobleme in den letzten Wochen, war dies erst sein Saisondebüt über seine Paradestrecke. Im Finale steigerte er sich Sonntag auf 46,89s und gewann damit Bronze. Gegenüber dem Vorjahr, wo er noch achter wurde, konnte er damit Boden gut machen. Für die Einzelnorm nach Tallinn reichte es nicht. Nun darf er sich aber immerhin noch Hoffnung machen, dass er bei der Staffelnominierung des DLV für die 4x400m berücksichtigt wird und so doch noch nach Estland kommen könnte.

Weniger gut erging es Marcel Matthäs auf dergleichen Distanz über die Hürdenstrecke. Nach einem noch recht lockeren Vorlaufsieg in 53,31s folgte sonntags ein unrhythmischer Lauf, der mit 52,96s nur Rang sieben einbrachte. Verständlicherweise war Marcel frustriert, außer der Norm von 51s hatte er auch sein Medaillenziel verfehlt.

Weitspringer Stephan Hartmann konnte auf Grund einer Reizung im Bereich der Achillessehne ebenfalls nicht wie geplant in die Saison einsteigen und musste im Stadion an der Lahn alles auf eine Karte setzen. Mit 7,49m sicherte er sich bereits im zweiten Durchgang bei Windstille den Finaleinzug und ging von nun an in den letzten vier Versuchen volles Risiko. Der fünfte und sechste Sprung ließen ihn in Richtung der erhofften 7,80m segeln, aber die rote Fahne der Kampfrichter machte auch seine EM-Ambitionen zu Nichte. Der respektable Gewinn der Silbermedaille konnte ihn da nur wenig trösten.

Noch unzufriedener mit sich und ihrer Leistung war Hammerwerferin Vanessa Pfeifer. Nach gutem Saisonbeginn im März in Südafrika schlichen sich technische Fehler ein und das Wurfgefühl ging verloren, so dass sie ihrer Form hinterherlaufen musste. 59,49m lagen vier Meter unter dem, was sie sich vorgestellt hatte und zu allem Überdruß blieb ihr damit auch noch der undankbare vierte Rang in einem Mammutfeld von 16 Hammerwerferinnen.

Letzte im Bunde der EM-Aspirantinnen war Hochspringerin Jossie Graumann, die bedingt durch ihre Abiturvorbereitungen auf eine Hallensaison verzichten musste und jetzt erst über eine Reihe von Wettkämpfen wieder in Form kommen musste. Die Tendenz war mit 1,80m in Polen vor zwei Wochen und 1,81m in Regensburg letzte Woche jedoch ansteigend. Die Vorjahresdritte sprang 1,81m diesmal gleich auf Anhieb und ging mit im zweiten Versuch erzielter neuer persönlicher Bestleistung sogar in Führung. Bei der Norm von 1,86m wollte jedoch an diesem Tag die Latte bei ihr partout nicht liegen bleiben. Mehr Glück hatte Imke Onnen aus Hannover, die sich mit 1,86m im letzten Versuch sowohl den Titel als auch die Norm sicherte. Jossies Freude über die Steigerung ihrer Bestleistung um 3cm und die Silbermedaille fiel angesichts der so knapp verpassten Norm etwas gedämpfter aus.

Dass die Meisterschaft am Ende dennoch das beste Ergebnis für die LG NORD seit 2008 waren, lag vor allem an den Staffeln. Über 4x400m weiblich traten mit Lena Seifert, die in 63,30s auch schon einen passablen 400m Hürden-Vorlauf bestritten hatte, Marlene Kühl, Janice Wobst und Sarah Ahmed vier Sprinterinnen an, die allesamt noch der U20-Altersklasse zugehörig sind. Dennoch lief das Quartett bei den Großen hervorragend mit. Es konnte sogar der eigene Vorlauf gewonnen werden. Unter vier Minuten zu bleiben war das erklärte Trainerziel von Tobias Dollase, Nadine Großkopf und Jan Keil, die ihre Athleten für diese Co-Produktion zusammengewürfelt hatten. Mit 3:54,25min wurde die Zielstellung nicht nur klar unterboten, sondern sogar der alte U20-LG NORD Rekord von 3:54,79min aus dem Jahr 2000 verbessert. Damals waren Maren Schulze, Sabrina Schumann, Sarah Arndt und Omolola Amojo im Vorlauf über 4x400m bei der DM in Braunschweig gelaufen.

Die 4x400m Staffel männlich wollte ihrem weiblichen Pendant in nichts nachstehen. Gerade als die Mädels dem Sieg in ihrem Lauf durch eine packende 15m-Aufholjagd von Schlussläuferin Sarah Ahmed entgegenstürmten, betraten sie das Stadion für ihren Zeitendlauf. Startläufer Mark Dobrzykowski brachte die Staffel gleich in Führung und schickte Marc Koch auf die Strecke, der wiederum Marcel Matthäs mit noch mehr Vorsprung ausstatten konnte. Am Ende hatte Schlussläufer Lando Dieke stattliche 30m Vorsprung zur Verfügung, die er gegen den Deutschen Einzelmeister Alexander Gladitz von der LG Hannover über die 400m zwar schrumpfen lassen musste, der deutsche Meistertitel war in sehr guten 3:14,18min jedoch niemals ernsthaft in Gefahr. Für alle vier war das Staffelgold ein willkommenes Trostpflaster. Marc und Marcel haderten mit ihren 400m und 400mHürden Finalläufen und Mark und Lando ärgerten sich noch, dass sie über 800m in 1:54,41min und 1:57,21min den 800m Endlauf klar verfehlt hatten. Im Nachhinein war es aber möglicherweise von Vorteil, dass die beiden Mittelstreckler von Reimo Giese dadurch etwas frischer in die 4x400m gehen konnten.

Eine weitere Endlaufteilnahme ist noch zu vermelden, Carmen Schultze-Berndt erlief sich als U20-Athletin in 4:40,84min als sechste ihres Vorlaufs das 1500m Finale. Im Endlauf musste sie dann in 4:47,23min leider etwas Lehrgeld für ihr mutiges Engagement im Vorlauf zahlen.

Zeitgleich zu den in Hessen ausgetragenen Einzelmeisterschaften der U23 fand in die Deutsche Meisterschaft im 10.000m Bahngehen in Düsseldorf statt. Dort war die LG NORD durch zwei Athleten vertreten. Auch hier gab es Licht und Schatten. Während Jacob Stutkze, der als U20 Athlet leider nach 8,3km disqualifiziert wurde, das Rennen beenden musste, konnte sich Francesco Tommasino über 50:16,44min freuen und unterbot als Silbermedaillengewinner erneut den LG NORD Rekord von Detlef Halm aus dem Jahr 1972 (50:26,4h), den Francesco und Jacob bereits bei den BBM in Potsdam verbessert hatten.

Trotz der verpassten internationalen Startchancen für dieses Jahr, muss man mit der Ausbeute von einmal Staffelgold und drei Silbermedaillen durch Stephan Hartmann, Francesco Tommasino und Jossie Graumann sowie Marc Kochs Bronzemedaillen insgesamt zufrieden sein.

v.l.n.r. Marlene, Lena, Janice und Sarah
v.l.n.r. Marcel, Mark, Marc und Lando
Jossie beim Sprung, Foto Iris Hensel
Stephan Hartmann, Foto Iris Hensel
Marc auf der Stadionrunde, Foto Iris Hensel
Marcel über 400 m Hürden, Foto Iris Hensel

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